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Jacques Derrida. Die Signatur aushöhlen: Eine Theorie des Parasiten.

Jacques Derrida. "Die Signatur aushöhlen: Eine Theorie des Parasiten." in: Hans Peter Jäck (Editor) and Peter Krapp (Translator). Eingriffe im Zeitalter der Medien. Hanseatischer Verlag. 1995. Paperback, 165 pages, Language German, ISBN: 3929027348. Buy it at Amazon.com, Amazon.ca, Amazon.de, Amazon.co.uk or Amazon.fr. (German).

Translations:

Jacques Derrida. "Subverting the Signature: A Theory of the Parasite." in: Blast Unlimited. Boston, 2, 1990, pp. 16-21. (English).
Jacques Derrida. "Die Signatur aushöhlen: Eine Theorie des Parasiten." in: Hans Peter Jäck (Editor) and Peter Krapp (Translator). Eingriffe im Zeitalter der Medien. Hanseatischer Verlag. 1995. Paperback, 165 pages, Language German, ISBN: 3929027348. Buy it at Amazon.com, Amazon.ca, Amazon.de, Amazon.co.uk or Amazon.fr. (German).

Diejenigen unter Ihnen, die den Mut haben, kommen Sie nach vorne, wenn keine Stühle mehr da sind... Wenn es nicht zu unbequem ist, können sich auf die Fensterbänke setzen.

... Die eigentliche Handlung der Vereinigung, von der Union. Eine Formel der Ehe: alle Vereinigungen finden statt mit einem definierten Ende, und das präzise Objekt ihrer Entfaltung bestimmt daher in seinem Verlauf ihre Handlungen. Die Ehe ist andererseits eine totale Vereinigung, die von nichts abhängt. Um Freude zu haben, um Besitz zu ergreifen. Zueignung ist Essen - essen, oder eher noch die Übersetzung eines gegebenen "Ich esse" essen. Essen ist nicht mehr als Besitz ergreifen, nichts als Aneignung. Oder Essen ist viel mehr nichts als eine Zueignung. Was bedeutet, daß jede spirituelle jouissance - das geistige Genießen - durch das Mahl ausgedrückt werden kann. Durch das Essen. Durch Essen ausgedrückt werden... In einer Freundschaft ist es eine Tatsache, daß man sich vom Freund ernährt, man taucht ihn ein - es ist eine authentische Redefigur, ein echter Tropus, und völlig legitim, den Körper mit dem Geist zu substituieren. In Teilnahme am Ritus des Freundesmahls, durch eine kühne, die Einbildung transzendierende Anstrengung, sein Fleisch mit jedem Mundvoll und sein Blut mit jedem Zug zu genießen - sicher, es erscheint barbarisch am verweichlichten Ende unserer Epoche, aber wer hat Ihnen jemals aufgetragen, sich Fleisch und Blut des Opfers direkt vorzustellen?

Eine körperliche Assimilation. Ziemlich geheimnisvoll - diese physische Aneignung bietet Ihnen ein hübsches Bild der Bedeutung spiritueller Verinnerlichung. Blut und Fleisch - sind sie wirklich etwas so niedriges? Tatsächlich liegt hier mehr vor als nur ein Entwurf eines Projektes, und die Zeit ist nicht so fern, wenn es keine höhere Idee geben wird als den organischen Körper, der weiß, was für ein erhabenes Symbol das Blut wirklich ist. Wer weiß welches erhabene Symbol. Dies ist ein großartiger Text. Vielleicht werde ich später denen danken, die ihn mir zu lesen gaben. Was? [Frage aus dem Publikum.] Es ist in der Fragmentausgabe. Auf Seite 112, 113 der Fragmente. Fragmente oder Denkaufgaben. Seite einhundertdreizehn. All das war nicht auf dem Programm, aber natürlich war es doch auf dem Programm. Conlactaneum, wie der heilige Augustinus sagte, und Sie erinnern sich, es ist übersetzt als "Milchbrüder". Es ist er, der mitgesäugt ist - genau so - gesäugt cum. Sum - das heißt mit einem anderen, der Milch trinkt, das ist conlactaneum, er der Milch trinkt mit dem anderen in einer Art Symposium. Was bedeutet das, und was bedeutet 'mit' hier?

Eine Frage von unserem letzten Treffen. Man könnte Milch trinken 'mit' jemand anders, zum Beispiel seinem Bruder oder seinem Freund; man könnte Milch 'mit' einem Löffel trinken; man könnte Milch 'mit' Kaffee trinken oder 'mit' Tee - noch ein anderes 'mit'. Milchtee ist Tee 'mit' Milch. Ich habe vergessen, wer mich das letzte Mal gefragt hat, warum ich auf Tee mit Milch bestehe. [Gelächter.] Es ist mein Geschmack, es ist meine Methode, ob für das Unterrichten oder für zuversichtliches Schreiben. Es war, um einen Text über Tee anzukündigen, Vorwarnung zu geben; eine Elegie für den Tee, der wir uns zweifellos heute nähern werden. In diesen Bekenntnissen - oder Gegenbekenntnissen - mit dem Titel Ecce Homo , im ersten Kapitel, Warum ich so klug bin, erwähnt Nietzsche, der Anti-Augustiner, warum er, ich zitiere, an einer Frage "ganz anders interessirt" als an der Frage nach Gott ist - er setzt fort, "an der mehr das 'Heil der Menschheit' hängt als an irgend einer Theologen-Curiositaet". Und diese Frage ist "Die Frage der Ernaehrung" , die Frage der Nahrung; die Nährfrage. Und Nietzsche - er, der sich nicht viel später als vom Instinkt genauso zum Kannibalismus wie zum Vegetariertum hingezogen erklärt - Nietzsche besteht daher darauf, Tee zu trinken statt Kaffee, der korrumpiert. Nur Tee. Eine kleine Menge, aber stark, und nur am Morgen. "Keine Zwischenmahlzeiten, keinen Cafe: Cafe verdüstert. Thee nur morgens zuträglich." - Tee ist nur am Morgen gut, tut nur gut am Morgen. "Wenig, aber energisch." Energie. Denn sei er nur etwas zu schwach - es schadet Dir, indisponiert Dich für den Tag. Daher ist die Konzentration des Tee dem Temperament des Einzelnen gemäß zu wählen, und hängt davon ab. Sie ist oft sehr schwer festzulegen. In einem anstrengenden Klima, wo der Tee schlecht ist, muß man dem eine Tasse Kakao vorausschicken, Satz und Öl müßen entfernt sein. So wenig sitzen wie möglich. "Keinem Gedanken Glauben schenken", fügt er im gleichen Zusammenhang hinzu, "der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung, - in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. Alle Vorurteile", sagt er, "kommen aus den Eingeweiden. Das Sitzfleisch - ich sagte es schon einmal" fährt er fort, "- die eigentliche Sünde wider den Heiligen Geist."

Tee also für den Heiligen Geist. Jetzt lassen Sie uns zurückkehren vom Tee zur Milch, zum con-lactaneum, zu den Milchbrüdern, wie der andere, mit dem ich, Augustinus zufolge, die erste Milch teile. Wenn Essen, oder mit dem anderen essen mögen impliziert - ohne mögliches tete-a-tete (das ich letztes Mal vorschlug) - implizierte, mit dem anderen zu essen, was bedeutet dann 'mit' in dem Ausdruck "mit dem anderen essen"? Wir sahen letztes Mal, daß dieses obskure 'mit' zum Teil, in suspendierter Bedeutung, außerhalb eines Diskurses, der seine Bedeutung bestimmt, zunächst das Teilen des Mahls designieren könnte. Das heißt, mit jemandem essen, das Brot oder den Wein oder das häusliche Fleisch - das Haustier, in bestimmten Kulturen oder Agrikulturen - die christliche Szene ist nur ein Beispiel. In unserer Kultur könnte das Milch sein, sicher, Honig, Datteln - und daher bezeichnet 'mit' hier: Tischgemeinschaft, friedliches Zusammenleben, freundliche Gesellschaft.

Doch auf der anderen Seite könnte 'mit' immer, in der selben schwebenden Bedeutung, eine Modalität des "den anderen essen" bedeuten. In dem Fall ißt man 'mit' dem anderen, wie man sagt, Frühstück 'mit' Kaffee, Brot und Butter, und Marmelade; wie man andererseits 'mit' Käse Wein trinkt, oder Abendessen 'mit' Fisch hat. Jedes Mal eine Frage des cum , der Gesellschaft oder Begleitung. Und diese zwei Diäten des 'mit', wenn Sie so wollen, diese zwei Diäten des cum sind nicht widersprüchlich oder inkompatibel: man kann miteinander essen im Akt des Essens 'mit' dem anderen. Dies mag meinem Vorschlag vom letzten Mal gleichen, demzufolge man niemals eins-zu-eins ißt, sondern die ekstatischsten Liebesmahle -die erotischste Liebesmahlzeit- erstreben nichts als den Ausschluß der dritten Partei, seine Reduktion auf Stille - dies weil beide Liebenden ihren Mund voll davon haben. Im exklusivsten Gegenüber von allen dualen oder oppositionalen Strukturen wird das am meisten von der Dualität ausgeschlossene der erste heimliche Parasit sein, das erste 'andere', am Tisch jedes Paars. Soll heißen des Liebespaares, des konzeptuellen Paars - woanders erwähne ich Passagen, in denen dieses Seminar, die schreckliche Monotonie dessen, was ich sage oder unterrichte, sich als Theorie des Parasiten finden wird, ja als Parasitologie - aber wenn dieses Wort Parasit mit obsessiver Hartnäckigkeit wiederkehrt, in allem was ich bisher lesen oder schreiben konnte - ich werde mehrere Beispiele geben - dieses Mal finden wir uns zumindest daheim mit diesem Wort Parasit, sozusagen, wenn ein Parasit zu Hause sein kann, in der Wörtlichkeit seiner Metapher, da das Wort Parasit von Anfang an zum Bereich des "Mitessens" gehört.

'Sitos' kann zunächst Weizen sein, allgemeiner feste Nahrung, dann Nahrung schlechthin; der Parasit ist entweder der ergänzende Snack, der Salat mit dem Käse und der Beilage, et cetera - oder öfter noch und im aktiven Sinn, derjenige der 'mit'-ißt, oder der 'daneben' ißt. 'Para', die Semantik des lateinischen 'mit' -avec auf Latein- bildet sich hier auf dieselbe Weise. Avec ist "apud hoc", eine Zusammenziehung von apud hoc , die das apud verstärkt, das 'neben' bedeutet, 'im Raum von'. Ein gewisses bei auf Deutsch, oder das englische with , oder auch by, na also. Deshalb bedeutet 'mit' auch "in jemandes Heim", "neben", para in diesem Sinn. Und parasiteo ergibt auf den ersten Blick "ich esse im Haus des", "ich esse neben", "ich esse mit", "ich esse am Tisch des", ohne pejorative Bedeutung. Und der abschätzige Sinn des schmarotzenden Parasiten pfropft sich auf eine Bedeutung, die nicht notwendigerweise pejorativ ist.

"Parasitus" auf Latein, wie im Griechischen "parasitos", ist zunächst ein Tischgast, ein Eingeladener, ein Mitessender, und dies kann im besten Geist verstanden werden. Aber dann bleibt da die schlimmere Bedeutung, die schlimmste Bedeutung... ein Parasit in seiner guten Rolle ist zum Beispiel ein vom Staat, von den Geschenken der Stadt erhaltener Bürger. Ein parasitus kann ein Priester sein, der den weihenden Priestern bei bestimmten Riten der Kirche hilft und sich zu ihren Mahlzeiten eingeladen sieht. Somit ist er ein geladener Gast, der parasitus. Man könnte auch von allen Gästen sagen, sie seien Parasiten - nehmen Sie den Propheten Elijah, für den immer ein Platz gedeckt ist. Weil er immer unerwartet ankommen kann. Da man niemals auf ihn wartet, ihn zugleich aber erwartet -ihn immer erwartend- kann man vom Propheten sagen, daß er zum Parasiten bestimmt ist, durch Vorbestimmung. Der Messias ist ein Parasit.

Messianismus hat zu tun mit Gastfreundschaft im Warten auf den Parasiten. So ist immer Raum für den Parasiten, seit Nahrung nicht mehr festgelegt, geordnet oder berechnet ist - geordnet auf absolut berechenbare Weise gegen ein natürliches Bedürfnis. Das heißt, wider die absolute Proportion zwischen natürlichem Bedürfnis und natürlichem Essen. Der Quantität des natürlichen Essens.

Und wenn wir hier unser Vertrauen - Gott behüte - auf den Begriff der Natur setzen, - das Thema dieses Seminars ist auch die Natur, nicht? - was ist dann dieses Konzept, in dieser Geschichte? Denn es gibt natürliche Fütterung oder eine natürliche Brust. Wenn man diesem Konzept der Natur vertraut, würde man sagen daß wo Kultur ist, sobald Essen Kultur wird, auch Gastfreundschaft ist, das heißt Essen im Raum des anderen, oder Essen 'mit' dem anderen - das heißt parasitieren. Doch der Übergang in einem neutralen oder positiven Sinn (der Parasit in einem negativen oder pejorativen Sinn ist die Überqürung des Parasitierten), der Übergang des geliebten anderen zum zurückgewiesenen oder vertriebenen oder geächteten Parasiten... sehen Sie sich ehemalige Liebende an. Das Pharmakos kann sich selbst figurativ Jesus oder Sokrates nennen. Der Übergang vom guten Fremden zum bösen Fremden, vom guten Immigranten zum schlechten Immigranten, ist eine Rolle, die man zugleich integriert und nicht integriert nennen möchte. Dieser Übergang ist offensichtlich nicht zufällig. Dieser Übergang ist enthalten in der Logik des para- und des 'mit', was bedeutet, daß die Bedeutung des Parasiten sich selbst parasitiert. Und daß man den guten Parasiten und den schlechten Parasiten nicht in aller Strenge gegenüberstellen oder unterscheiden kann, wie man gerne möchte; noch zwischen Gut und Böse allgemein. Das Schlechte ist nicht das Gegenteil des Guten. Es ist sein supplementärer Parasit.
Und wenn es Spiel und Differance (mit a) beim Essen gibt, im Mit-Essen, im 'Mit' selbst, im para-, im "neben", dann parasitiert der Parasit sich selbst und ist total verquirlt; alle Grenzen verwischend, und zuvorderst die Grenze, die ihn von sich selbst trennt. Diese kann daher den guten Parasiten nicht vom schlechten trennen, nicht den Freund vom Feind, kann den inneren Feind nicht vom äußeren Feind trennen, et cetera.

Mit der Grenze überschreitet der Parasit somit die Bedeutung. Er wirft Bedeutung selbst über den Haufen. Er verwirrt die Einheit oder die universelle Identität der Bedeutung. Wenn der parasitos im Griechischen hier, sagen wir, an ein Parasitieren der Logik erinnert, das uns unaufhörlich zu dem zurückbringt, was essen zeigt oder verbirgt. Mit dem anderen. Wie das Schicksal des Geliebten, den anderen essend, mit und ohne zu essen, oder mit und ohne ein Verbot der Buchstaben des Essens - erinnern wir uns an das Gesagte - oder sogar ohne ein Verbot, die Buchstaben des Essens zu essen. Also besteht kein Bedarf, uns selbst einzusperren, wie es früher möglich war. Beim Letzten Abendmahl, um den Heiligen Tisch, die Szene der Wandlung, genügt es zum Beispiel dem Griechen - dem vorchristlichen Griechen - , an das Symposium zu denken. Ein Symposium; was man mit Bankett bezeichnet; und was man mit der Zeit übersetzt als convivium, convivio - ein Symposium ist ein Ort oder ein Moment der Geselligkeit, für Gemeinschaft, für Mitsein, wenn Sie so wollen. Und dieses sum- bedeutet: die Synagoge. Das heißt, der Platz, wo man hingeht, an dem man sich gemeinsam versammelt. Die Synagoge der Trinker - das ist das Symposium. Jene, die sich versammeln und sich gegenseitig zu einer Party einladen, in deren Verlauf man trinkt. In der Tradition, im Ritual des Symposion, kommt nach dem ersten Teil des Symposion, nach dem sum deit non, das heißt nach dem ersten Teil, während man nicht ißt, danach kommt der Hauptanteil, protus oder sum-protus, das Trinken. Der Moment des Trinkens. Gemeinsames Trinken, wenn die sum-potoi, das heißt die Trinkgenossen, sprechen, zum Beispiel sich über das großartige Thema des Eros unterhalten, beim Bankett.

Und wenn Sie Platos Dialog nachlesen, der diesen Titel Symposion trägt, wie ich es gerne mit Ihnen getan hätte, werden Sie von Anfang bis Ende dem folgen können, was über die Einladung gesagt wird. Was über die Eingeladenen gesagt wird, wie Sokrates, ein Gast, der die einlädt, die nicht eingeladen sind. Und die Gäste, die zu spät kommen, wie Sokrates gemäß seiner Gewohnheit. Denn die nicht Eingeladenen kommen bald danach. Wie Alcibiades, der selbst spät kommt, aber schon betrunken, wie gesagt wird, sehen Sie, bevor das Gespräch auf Liebe kommt, das große Thema des Banketts: über Wein und Trunkenheit. Sie werden dort etwas finden - ein kleines Etwas zwischen Seminaren -, wenn Sie den Dialog mit dem Titel Symposium betrachten. Wenn Sie das Schicksal dieses unberechenbaren, erwarteten Gastes in Betracht ziehen, unvorhersehbar, zu spät kommend, das war Sokrates - dieser unverbesserliche Zuspätkommer, der die zwei Masken des guten und des schlechten Parasiten trägt. Sie werden sich fragen, welche Verbindung kann zwischen dem geselligen Sokrates und dem Liebesgegner bestehen? ... Eine Art Leichenschmaus, oder griechisches Tableau, wenn Sie möchten, bedeutet also, daß Sokrates, umgeben von einigen seiner Jünger (oder Apostel), sich selbst den Tod gibt. Der ihm gegeben wurde. Er gibt sich den Tod, der ihm gegeben wurde, durch Trinken. Und in dem Moment, wo jemand Schierling trinkt, wäre es schlechter Geschmack, zu sagen, wenn er sagen würde: "Das ist mein Leib." Wenn Sokrates das von seinem vergifteten Körper gesagt hätte, dann wäre dieses Gift von einem vergifteten Körper - von Gift durchströmt - eine vergiftete Gabe - Gift! Gift! wie Sie wissen - und das wäre sehr schlimm. Aber es ist nie sicher, daß man gibt, was man gibt, es ist auch nicht gewiß, daß man nicht gibt, was man nicht gibt. Und das ist das Gift, das die Gabe im allgemeinen durchtränkt: die Gegengabe, das Nichtgeben, und von daher die Schwierigkeit der Unterscheidung zwischen Christus und Sokrates. Daß einer seinen Körper gibt und der andere nicht, bedeutet nicht, daß der, der ihn gegeben hat, ihn gegeben hat und der, der ihn nicht gegeben hat, ihn nicht gegeben hat. Und das ist, was vergiftet ist. So. Conlactaneum, das ist das lateinische Wort-

- [aus dem Publikum:] 'Darf ich eine Bemerkung machen?'
- Ja.
- 'Weil Sokrates, geschlagen, nicht aus Gewohnheit zu spät kommt, sondern wegen seiner Symptome. Denn er hinkt auf einem Bein, gelähmt...'
- Ich stimme zu, ich habe nie geglaubt, daß Gewohnheiten nicht symptomatisch sein könnten - (allgemeines Gelächter). Danke.

Ich habe mich versprochen. Nächstes Mal werde ich sagen, "Sokrates, wegen seiner Symptome". Naja. Conlactaneum, was normalerweise übersetzt wird als 'Milchbruder', diese Erfahrung der co-lactation, diese Geschichte des Mitstillens, beschreibt Augustinus auch als "die quasi ursprüngliche Szene der Eifersucht." Und er sagt, daß er sich nicht erinnern kann, obwohl er es erlebt hat - und der Verlust zentral ist, er erinnert sich nicht an die Eifersucht der Säuglinge. Aber er hat sie erfahren, in dem Sinn daß er ihr begegnet ist, sie gesehen und beobachtet hat, expertus sum zemantem paralum, das heißt nicht nur "ich bin ein Experte in kleinen Eifersüchteleien", sondern auch "ich habe es gelernt, ich besitze den Beweis dafür, die Erfahrung des Experten, ich habe am Eifersuchts-Schauspiel des Kindes teilgenommen". Jetzt haben wir lange von neidischen Kleinen gesprochen, infantilen Eifersüchteleien, ich habe ein kleines eifersüchtiges Kind beobachtet. Der Proto-Neid also, die erste Eifersucht berührt uns hier, an einer Brust. Der erste Eifer, wenn sie so wollen, zeal auf Englisch, zealos auf Latein, bedeutet Neid, eifersüchtiges Brennen, heißes Verlangen des Neides, und ist daher exzessiv. Es ist ein Überschuß an Neid, da sich der Brustneid selbst aus dem Raum des Brüderlichen ausschließt und einschließt.

Parenthetisch ist noch zu sagen, daß alles, was wir letztes Mal über Brüderlichkeit als kanonisches Modell der Freundschaft sagten, in einem bestimmten soziopolitischen oder kulturell-religiösen Bereich, sich hier gewendet findet auf die paradigmatische Situation des Mit-Stillens - des Mit-Säuglings, jenes Mit, das im Cum-Lactaneum aufscheint, und auch auf die paradigmatische Situation der Gemeinschaft als einer ursprünglichen Gemeinde von Milchbrüdern, die einander in der Eifersucht zugleich anfeinden und versammeln. Diese Doppelung von Allianz und Haß, von einem merkwürdig einfachen Abwandeln eines "Oh meine Freunde!" in "Oh meine Feinde!" - die mitsäugende Ambivalenz ist immer und unmittelbar eine Versuchung, aber zugleich indifferent, wie der Seufzer, der sagt, es gebe keine Freunde mehr, keine Feinde mehr - das ist co-lactation. Der Seufzer kommt hier zurück zur selben Sache dieses: "Es gibt keine Freunde, Feinde. Wir sind Brüder." Es gibt nichts als Milchbrüder - das bedeutet all dies auf einmal - es gibt von Anfang an nur feindliche Brüder, in all der Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit. Hier ist das Motto meiner verfeindeten Brüder...

Über den normalen Hunger hinaus also, wenn es so etwas gibt, ruft Eifersucht ein Bedürfnis wach, mehr zu essen als nötig. Denn man ißt mehr als nötig anstelle des anderen. Bis die Gefahr der Milchvergiftung besteht. Jedenfalls wird die erste conviviality, der erste gemeinsame Tisch, das erste Symposium, die erste Gemeinde des "Essens Mit", des gemeinsam Verzehrens, das Teilen der Brust sein zwischen den Milchbrüdern, dem conlactaneum. In der Tat: Selbst wenn der Säugling allein ist, wenn er das einzige Kind ist, ist die Halbierung der Brust, oder radikaler die schlichte Begrenztheit der Milch, die Substitution des einen Saugens für das andere. Die Verzeitlichung, oder die Verräumlichung des ersten Schlucks Milch genügt als Vermittlung, selbst dem Einzelkind die erste Erfahrung dieses "den anderen Verspeisens" zu vermitteln, oder die des vom anderen Essens. Das anfängliche Milch-Geben is physikalisch eine menschliche Figur, daher schreibt sie das ursprüngliche Verspeisen des anderen unendlich in das Füttern ein. Als die wiedergebende Liebe, das Wiedergeben von Liebe, als Eifer bis zum Überfluß des Eifers, das heißt, als mögliche Eifersucht, Ressentiment, sogar Haß.

Das andere ist da, der oder diejenige, die mit der oder dem ißt und trinkt, mit dem man teilen muß. Ich glaube, mit dem Ausdruck "manger a meme l'autre", den ich gerade als quasi-äquivalent mit "andere essen" bzw. "mit anderen essen" gebraucht habe, können wir die Grammatik dessen, worüber wir gesprochen haben, etwas verfeinern. Eine der Schwierigkeiten - und daher das Interessante am Fall - ist dieser Gebrauch des "a meme" im Französischen, wie ich es sehr gerne benutze. Der französische Ausdruck "a meme" ist, ich würde nicht gerade sagen unübersetzbar - nichts ist absolut unübersetzbar -, aber doch schwer in der Oekonomie eines einzelnen Wortes oder zweier Worte wiederzugeben, und das gilt für viele Sprachen, auf jeden Fall für die, die ich zu kennen glaube.

Schwer zu übersetzen, "a meme". Man könnte natürlich bestimmte Phrasen konstruieren, das deutsche "an" benutzen oder das deutsche "bei", oder das englische "on" oder "in" oder "at", aber viele Schwierigkeiten würden bleiben - man braucht bloß versuchen, direkt und erschöpfend das wiederzugeben, was im französischen "a meme" eine Topologie oder eine Orientierung eines Körpers beschreibt, die einen Körper in Kontakt bringt mit einem anderen, und mit einem anderen ihn selbst. Das bedeutet ohne Vermittlung und als er selbst, ohne Medium, direkt, aber ohne Aneignung oder Durchdringung. Indem wir "a meme" bleiben, meinen wir im Kontakt und an der Oberfläche, das heißt an der Grenze. Kontakt an der Peripherie, am Rand, marginal. Superficial contact.

Essen oder trinken "a meme l'autre" heißt das andere absorbieren, während man an der Oberfläche des anderen bleibt. Das bedeutet, an der Lippe einer Körperöffnung ohne einzudringen, ohne einen Körperteil des anderen einzuziehen. Das Einbehalten würde den anderen notwendigerweise und gewaltsam seiner Substanz berauben. In dieser Deduktion fehlt der Kontakt des "a meme" - das Schlucken oder Essen "a meme l'autre" ist nicht notwendigerweise ein aggressives Einziehen der Substanz des anderen. Das Füttern, zum Beispiel der säugenden conlactants an der Brust ihrer Mutter oder Amme findet "a meme" der Brust statt. Das heißt, säugend in einem vermittelnden Sinn, im Kontakt der Körperöffnung, oder der zwei Körperöffnungen, des Mundes und der Brust, im Spiel von konkav und konvex. Aber auch an der Oberfläche - und das ist mit "a meme" gemeint - , an der Oberfläche, ohne in die Brust einzudringen: außer es kommt zum Biß - aber beißen ist nicht essentiell Teil des Stillens und Säuglinge haben keine Zähne...

In einem Moment werden wir sehen, was geschieht, wenn die Zähne herauszukommen beginnen, was Freud von diesen Zähnen hält, und was Karl Abraham davon hält und was Friedrich Nietzsche. Und Ferenczi, und Melanie Klein, und mehrere andere. Diese Vorstellung des "a meme" ist interessant hier, weil die Partner Körper an Körper simultan an der Oberfläche im Kontakt stehen; im Kontakt des Körpers mit dem anderen. In diesem Spiel der Ränder und Öffnungen. Und wenn es Essen gibt, heißt dieses Essen "a meme l'autre" nicht einfach den anderen essen. Selbst wenn es ein Verzehr des anderen ist (man unterscheidet Milch, Sperma, Blut und andere Sekrete, genitaler oder sonstiger Art), wenn der Säugling - der figurativ für tausend säugende Kinder steht, in einer Art Milchverzeichnis - wenn der Säugling "a meme" an der Brust saugt, dann ist "a meme" zu übersetzen als:
- unmittelbarer Körperkontakt;
- der Atem des Säuglings; und auch
- das Trinken aus der Flasche.

Essen "a meme" , vom Teller, ohne daß man Silberbesteck benutzt. Aber das bedeutet auch, normal und ohne abzubrechen sowie ohne die Augen zu gebrauchen. Selbst wenn Milch eine Substanz ist, die aus dem Inneren der Mutter kommt, was sie schließlich auch schwächen kann, indem sie die Milch verteilt, würde man eigentlich nicht sagen, daß das Stillen sie verletzt oder sie ihres Körpers beraubt, gewaltsam und gegen den Willen der Mutter. Selbst wenn wir manchmal davon in einer Weise sprechen, die wir untersucht haben, in einer Figur die weder relevant noch aber unwichtig für Kannibalismus und Interprophagie ist, vielleicht gibt es nicht nur im Verlangen der Mutter - wir erinnern uns an Augustinus - die Zustimmung der Mutter oder der Amme, die es als angenehm empfinden, zu geben, was sie von Gott erhalten.

In der Tat, was sie gibt, erhält sie zurück. Sie erhält es von Gott, in der Form des Lustgewinns. Sie erhält die Lust am Geben. Und auch wenn man dieses Augustinische Schema nicht akzeptiert, dieses christliche Schema des einigenden, kontinuierlichen Blutes, kann man jedenfalls von der Form dieses Schemas des einen Blutes übernehmen, daß man es empfangen, geniessen und als jouissance empfinden kann, sich selbst hinzugeben; das soll heißen, das zu geben, was Selbst wird im Akt des Gebens, weil es gegeben wird. Doch auf jeden Fall liegt eine Basis vor für die Differenz zwischen diesem Füttern einerseits und auf der anderen Seite zumindest Kannibalismus und Interprophagie, aufgrund der Tatsache, daß der Körper der Mutter oder Amme nicht vermindert, verletzt, durch das Stillen aufgerissen oder sonstwie verwundet wird. Und diesem Punkt sollten wir Vorrang zu geben versuchen.

Was nennt man normalerweise, strikt oder figurativ, Kannibalismus? Das könnte ein Raum sein, ein anderer ausgesparter Raum, der den Freudschen Diskurs und seine Tradition entgrenzen kann; jenen psychoanalytischen Diskurs, von dem ich letztes Mal sagte, daß er in der Einführung zu diesem Seminar in vielerlei Weise impliziert und einbezogen ist. Daß wir begonnen haben mit einem Versuch, zu rechtfertigen, daß wir in Beziehung auf das Stillen auf diese kannibalische Weise sprechen, ist ein Effekt aus dem Umfeld von Freud, "avec" Freud. Wie Freud sagt - das ist irgendwo in den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie - "eine erste vorgenitale Phase ist die, die wir die orale nennen, oder die kannibalische, wenn Sie so wollen." (Wir werden auf dieses "wenn Sie wollen" noch zurückkommen. Das heißt, wenn wir wollen.) - "Die wir die orale nennen, oder die kannibalische, wenn wir wollen." Das erinnert mich an etwas, was Ihnen allen zweifellos bekannt ist, daß Freud, in den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, 1905, überarbeitet und erweitert in mehreren Ausgaben bis 1920, besonders 1915 waren die Modifikationen wichtig, aber 1920 ist jedenfalls das Datum, sein letztes Vorwort zu dieser Arbeit von 1905 mit diesen Worten abschließt, die ich zitiere. Und er wird es nach Europa schicken, nach einem Artikel eines gewissen Normanson, "Freud's Theory of Libido Compared to Plato's Eros", da haben Sie letztlich jene Rolle, die das Bankett durchzieht, das Symposion bei Plato - diese Passion für die Lust.

Freud hat also in dieser Phrase aus den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, die ich gerade erwähnte, die rhetorische Route eines "wenn Sie wollen" eingeschlagen, oder wenn wir wollen - man übersetzt "wenn Sie so wollen" als ob wir wollten - diesen rhetorischen Weg des "wenn Sie wollen" vom Oralen zum Kannibalischen. Oral, oder wenn wir wollen, kannibalisch. Das tut er, wenn er jene sexuellen Phasen beschreibt, die er vorgeschlechtlich nennt, und die ihm zufolge (das muß angemerkt werden) die Analyse, gar der Ort einer Rückkehr zur primitiven Form des tierischen Leben sind. Aus zwei Gründen insistiere ich auf diesem Hinweis: Freud verbindet vorgeschlechtliche, und daher ungeschlechtliche, noch-nicht-geschlechtliche Sexualität mit der Tierhaftigkeit oder Primitivität im Menschen. Andererseits ist da seine Theorie der Verbindung zwischen der Befriedigung eines Bedürfnisses, einer überlebenswichtigen Notwendigkeit, zum Beispiel im Essen zur Erhaltung des Lebens, seine Theorie einer Entsprechung zwischen der Befriedigung eines solchen natürlichen Bedürfnisses und der Befriedigung eines Triebes über diese Notwendigkeit hinaus, in der selben Weise, aber jenseits - essen über die Forderung des Hungers hinaus.

Die Freudsche Theorie dieses Konnex ist essentiell eine Theorie des Stillens - eine reichlich komplexe und rätselhafte Theorie, und in dieser Art sehr interessant und zweifellos enorm fruchtbar - was paradox ist; sie besteht darin, dieses Aussaugen eines Verlangens über den Hunger hinaus derart über die Notwendigkeit hinaus zu beschreiben, wenn Sie so wollen, über die lebenserhaltende oder somatische Notwendigkeit hinaus. Zugleich drückt sie gegen sie - drückend und trennend, anpassend, drückend - gegen die Notwendigkeit, und dann abbrechend. Das ist das Melken. Der Druck. Sie gibt dann nach, zum Beispiel, um die Unabhängigkeit des nicht somatischen Verlangens zu beschreiben, jenseits des Somatischen. Sie konzediert eine Bestimmung der Unabhängigkeit als etwas abhängiges, kontingentes. So bricht sie ab. Weil sie als Bedingung und Seinszustand das hat, was sie offenbar nicht mehr benötigt. Weil sie sich anscheinend emanzipiert, oder sich selbst befreit. In der Ausgabe von 1915 der Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie zum Beispiel, wenn die Theorie des Stillens / des Säugens festgelegt ist. In dieser 1915er Edition ist eine Passage der Autoerotik gewidmet, genauer dem Säugling, dem Lutschen oder Nudeln, österreichische Ausdrücke für diese autoerotische Aktivitäten, simulacra der Autophagie, die darin besteht, seine eigenen Lippen zu saugen ohne Nahrung aufzunehmen: eine Nachahmung des Essens oder Trinkens. Daran zu denken oder darüber zu spekulieren, während man ohne Essen lutscht; an sich selbst zu saugen, sich selbst zu essen. Jedenfalls eine Nachahmung.

Also in einer Passage über das autoerotische Saugen stellt Freud fest, daß das Kind, wenn es saugt, eine Erinnerung an das Vergnügen wachruft, und natürlich hängt diese Erinnerung, diese Wiederholung des Erinnerten, wie Freud formuliert, zusammen mit dem Verspeisen des anderen; Eros mag das Verspeisen des anderen, findet Lust im Essen oder Trinken des anderen als Verinnerlichung des anderen. Dieses Erinnern an eine bereits erfahrene Lust, das Gefühl des rhythmischen Ziehens, das rhythmische Saugen, an der mütterlichen Brust oder der der Amme. Und Freud verwendet hier das "an", das jenes "a meme" ist - das rhythmische Saugen an einer Haut- oder Schleimhautstelle - rhythmisches Saugen also "a meme" , an einem oberflächlichen Teil von Epidermis oder Mucus. Und so erklärt Freud das Stillen an der Mutterbrust, oder "a meme" , an dem, was die Mutterbrust ersetzt. Selbst wenn es die Amme ist, das Supplement oder der Ersatz. Weil hier die warme Milch fließt, sind die Lippen eine erogene Zone...

Sie stützt sich auf/gegen eine lebenswichtige Funktion, erst später befreit sie sich - aber in dieser Befreiung setzt sie das Melken fort, dieses sich absetzen, wie ein Springer sich dort abstützt, von wo er sich wegbewegt. Hier könnten wir wieder "an" als "a meme -" übersetzen. Sexuelle Betätigung erhält ihren ersten Schwung "a meme", es ist eine jener Funktionen, die das Leben bewahren und erst später unabhängig werden. Dieses Konzept des Schubs "a meme" - wenn es ein Konzept ist - ist ganz entscheidend, und wir sollten uns da ein wenig aufhalten. Ich weiß nicht, ob es ein Konzept ist - lassen Sie uns annehmen, wir wüßten, daß es ein Konzept ist - aber in jedem Fall markiert es die Stelle eines unverzichtbaren Konzepts, und das ist das Interessante für uns.

Anfänglich, erklärt Freud uns, ist die Befriedigung, das Vergnügen der erogenen Zone, die der Mund darstellt, eng mit der Linderung des Hungers verbunden, was heißen soll, mit einer natürlichen und somatischen Funktion, die dazu bestimmt ist, Leben zu erlauben, zu erneuern, zu bewahren. Zunächst haben wir diese Art "Natur", und diese natürliche Lust - denn es ist lustvoll auch nur den Hunger durch Essen zu befriedigen - dieses natürliche Vergnügen steht in proportionaler Beziehung zur maßvollen Befriedigung einer Frau. Diese Infrastruktur - in bestimmter Hinsicht mag man sie eine natürliche, ursprüngliche, körperliche nennen - wird niemals verschwinden, selbst wenn das Verlangen in einem bestimmten Moment den Charakter ändern kann. Gemäß dieses Naturalismus, Primitivismus, dieser Physikalität, dieses Physiologismus - selbst wenn man das, wie ich mich versucht sehe zu sagen, suspekt findet, von einem anderen Gesichtspunkt aus - so hat dieser Naturalismus den Verdienst, daß er uns sofort daran erinnert, daß alle Formen des oralen Verlangens, oraler Lust, oder sexueller Lust auf jemand anders, Formen der jouissance sind, die durch den Mund gehen: dieses Verlangen bleibt kanalisiert, artikuliert und abgehoben gegen den Hunger - das heißt, gegen das Körperliche, auf das eine unreduzierbare Genealogie wieder und wieder zurückkommt. Und das - was uns sonst in der Abgrenzung des Naturalimus positiv erschien - wird die Signifikanz der Unterscheidung zwischen Bedürfnis und Verlangen immer einschränken...